Galloways

Landschaftspflege

Drei Jahrzehnte Galloway-Landschaftspflege in Deutschland

Die Galloway-Züchter Interessengemeinschaft Nord (GIN) veranstaltete am 4. April 2004 im Rendsburger ConventGarten im Anschluss an ihre Jahreshauptversammlung ein Podiumsgespräch mit den Züchterkollegen, die in der großflächigen Landschaftspflege mit dem Einsatz Raufutter fressender Großtiere Pionierarbeit geleistet haben. Das war zugleich ein zeitgeschichtlicher Rückblick auf die Anfänge der Gallowayzucht in Deutschland.

  • Forstdirektor a.D. Heinrich Wilhelm Barfod,
  • der Mediziner Dr. Jörn Funck vom Umweltschutzverein Sereetz
  • der Biologe Gerd Kämmer von BUNDE WISCHEN e.V.

berichteten über ihre Erfahrungen aus den 1970er, 80er und 90er Jahren und begründeten ausführlich, warum sie die reinerbigen, originalen Galloways als bestgeeignete Rinderrasse wählten. Diese sind immer einfarbig, entweder black oder dun, ganz selten gibt es sie in red.

Forstdirektor Barfod hatte um 1970 im Bereich des Forstamtes Neumünster zunächst versucht, mit Schafen und Shetland-Ponys die offenen Brachflächen in seinem Revier von unerwünschtem Bewuchs frei zu halten. Nach diesen hoffnungslos gescheiterten Experimenten hat er die maschinelle Landschaftspflege ausprobiert, die sich jedoch als viel zu kostenaufwendig erwies und quasi einem "ökologischen Erdbeben" glich. Und für die Moore und anmoorigen Flächen kamen alle diese Maßnahmen von vornherein sowieso nicht in Frage.

Rinder HerdeGalloways sind "pflegeleicht", ihre Haltung ist problemlos. Sie laufen zusammen im Herdenverband, d.h. Kühe, Ochsen, Jungrinder (Absetzer) und Kälber - und wenn man will, mit einem Bullen zusammen, der auch ganz handzahm gehalten werden kann. Die Rasse ist bekannt für ihre Leichtkalbigkeit. Die Milch der Mutterkühe ist ausschließlich für ihre eigenen Kälber, die im Alter von ca. 8 Monaten "abgesetzt" werden.

Dann las er eines Tages von einer in Deutschland so gut wie unbekannten schottischen Rinderrasse, die in ihrer Heimat seit Jahrhunderten ähnlichen Zwecken dient. Die Galloways waren dort nämlich nicht in erster Linie die Erwerbsgrundlage der Bauern, die hauptsächlich von der Schafzucht leben, sie sollen vielmehr die sonst verwildernden Schafweiden auf den kargen Böden der unendlichen Hügel und Schluchten im bestmöglichen Zustand halten. Diese widerstandsfähigen Rinder, die dort in der rauen, windigen und regnerischen Region Südwest-Schottlands bei Wind und Wetter ganzjährig im Freien leben und keinen Stall kennen, wollte er auch bei sich in Schleswig-Holstein haben.

Er erinnerte sich, dass er schon früher in der Schule etwas über hornlose, kleine schwarze Rinder mit besonders wohlschmeckendem Fleisch gehört hatte, als im Lateinunterricht von Tacitus und über die Römer am Hadrianswall die Rede war.

Barfod hatte in den 70er Jahren Kontakt zu Helmut Schornstein, einem Fuhrunternehmer, Pferdehalter und Aberdeen-Angus-Züchter aus Hessen, einem Allrounder, der später auch das erste deutsche Gallowaybuch mit einem Artikel von Barfod herausgegeben hat und dem nichts auf der Welt unmöglich ist. Diesen fragte er, wie er wohl zu den angeblich so genügsamen und darüber hinaus so friedfertigen Galloways kommen könne. Schornstein brachte 1973 die ersten acht Galloways aus dem Vereinigten Königreich in die Bundesrepublik, vier davon bekam der Forstmann in Schleswig-Holstein.

Hier in Norddeutschland gab es zwar schon im 19. Jahrhundert vereinzelt Gallowayrinder, aber Helmut Schornstein und Heinrich Wilhelm Barfod gelten als die Wegbereiter dieser für Deutschland wieder entdeckten Rinderrasse. In den ersten Jahren musste Barfods Öko-Experiment in Kiebitzholm noch heimlich, still und leise von statten gehen, denn Rinder auf ökologisch wertvollen Flächen galten damals als Frevel bei den Naturschützern. Das war ungefähr so, wie die Beweidung selbst kleinster Gehölzgruppen auch heute noch verboten ist, obwohl die früheren Hudewälder vielleicht die artgerechteste Haltungsform domestizierter Rinder sind.

Erst nachdem Erfolge bei der neuen Art von ökologischer Landschaftspflege sichtbar wurden und die positiven Auswirkungen auf die Pflanzenphysiologie von einem dänischen Wissenschaftler bestätigt worden waren, fand 1979 die erste Exkursion auf dem Gelände statt, worüber das Bauernblatt damals berichtete. Diese Veröffentlichung stieß auf großes Interesse in weiten Kreisen und damit begann der Siegeszug der Galloways, die heute in unserem Landschaftsbild gar nicht mehr wegzudenken sind. Und als sich herausstellte, dass sich sogar das hochempfindliche Torfmooswachstum unter den Klauen und auf dem Dung der Galloways wieder neu entwickelte, fand das Projekt auch bei den Naturschutzorganisationen Anerkennung und wird seitdem zur Nachahmung empfohlen.

Barfod sprach sich auf der Versammlung anerkennend über die Bestrebungen der GIN aus, die die originalen Galloways in der Herdbuchzucht rein halten möchte, um die Qualitäten dieser einmaligen Rasse zu erhalten. Er ermunterte den GIN-Vorsitzenden Fritz Dirala, mit seiner permanenten Aufklärungsarbeit in diesem Sinne fort zu fahren.

Es gibt durchaus Ähnlichkeiten der Galloways mit den verwandten Rinderrassen Higland Cattle, Belted Galloway, White Galloway oder Aberdeen Angus. Die originalen Galloways haben jedoch ihre eigenen charakteristischen Anlagen, die über Jahrhunderte angezüchtet worden sind. Schon im Versuch zeigten sich bereits bei einer F1-Kreuzungsgeneration deutliche Unterschiede z. B. im Verbiss-Verhalten. Barfod regt an, dass man Untersuchungen anstellen solle, ob sich möglicherweise das Verdauungssystem der originalen Galloways von dem anderer Rinderrassen unterscheidet. Zu dieser Annahme kommt er durch langjährige Beobachtung des Fressverhaltens und der Futterverwertung bei verschiedenen Tieren.

Was Barfod schon vor 25 Jahren im Gallowaybuch von Helmut Schornstein voraussagte, hat sich bis heute als richtig erwiesen. Er schrieb dort, "dass die Gallowayrinder vermutlich die wichtigsten Instrumente zu einer ökologisch schonenden und Biotop fördernden Landschaftspflege bei geringstem Aufwand und relativ hohem Ertrag sein werden und alle anderen Alternativen sowohl aus ökologischer als auch ökonomischer Sicht in den Schatten zu stellen versprechen." Diese Prognose hat sich bestätigt und gilt heute auch hinsichtlich neuer Beweidungsversuche mit den so genannten "Heckrindern" oder anderen Rückkreuzungen, die vermeintlich so aussehen wie der Urtyp der Rinderrassen. Die positiven Eigenschaften und Veranlagungen jedoch, die bei den Galloways bereits vorhanden sind, werden sich bei neuen Rassen - wenn überhaupt jemals - erst in vielen Jahrzehnten, vielleicht in Jahrhunderten einstellen.

Die nachfolgenden Referenten des Symposiums, Dr. Jörn Funck und Gerd Kämmer bestätigten ausnahmslos die Ausführungen ihres Vorredners und fügten interessante eigene Erfahrungen hinzu. Dr. Funck hat nach seiner Gründung des Sereetzer Umweltschutzvereins zuerst eine herkömmliche Rinderrasse eingesetzt, dann aber mit einigen Tieren aus der Barfod-Herde die Unterschiede deutlich zu spüren bekommen und deshalb die ganze Herde auf reine Galloways umgestellt. Er hat neben der ökologischen Komponente auch die wirtschaftliche Vertretbarkeit seines privat organisierten Umweltschutzprojekts berücksichtigt und gleichzeitig eine Rindergilde ins Leben gerufen, deren Mitglieder an den Arbeitsleistungen und den Fleischerträgen ebenso wie am Gewinn und Verlust gleichermaßen beteiligt sind.

Gerd Kämmer von Bunde Wischen e.V. mit einigen hundert Galloways auf einigen hundert Hektar Naturschutzflächen hat auch einzelne Tiere aus der Barfod-Herde übernommen und die wissenschaftliche Begleitung der Gallowayzucht und -haltung weitergeführt. Nur so konnte auch er gegen die anfänglichen Schwierigkeiten mit der Unteren Naturschutzbehörde bestehen und seine Vorstellungen vom Herdenmanagement auf dem schmalen Pfad zwischen Vorschriften und eigener Überzeugung erfolgreich verwirklichen. Er hat den Begriff "Halboffene Weidelandschaften" in die Praxis umgesetzt und seine Projekte gelten heute als Vorbild für Naturschutz und Landschaftspflege.

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