Die Mischbeweidung erleichtert einiges und unterstützt die Pflegemaßnahmen nachhaltig, denn Pferde und Rinder ergänzen sich in ihrem Graseverhalten. Rinder beanspruchen die Grasnarbe durch Verbiss und Tritt gleichmäßiger. Dies wirkt den negativen Folgen einer einseitigen Beweidung durch Pferde entgegen. Mischbeweidung verringert den Anteil des verschmähten Aufwuchses. Die durch Exkremente der Pferde verursachten Geilstellen werden von den Rinden gefressen und umgekehrt. Gleichzeitig wird auch der Infektionsdruck von Endoparasiten gemindert, weil keine Übertragung von Rindern als Wiederkäuer auf Pferde möglich ist. Die Parasitenlarven der Pferde werden im Rindermagen vernichtet. Schafe eignen sich weniger für die Mischbeweidung, da sie, genau wie die Pferde, die Pflanzen sehr tief verbeißen.
Warum nun aber Galloways zur Mischbeweidung?
Galloways sind Robustrinder, die Jahrhunderte lang für diesen Zweck der Instandhaltung weitläufiger Weideflächen auf Schottlands kargen Hügeln und in den Schluchten gehalten wurden. Sie waren nicht in erster Linie die Erwerbsgrundlage der Bauern, die hauptsächlich von der Schafzucht lebten. Die raue, windige und regnerische Gegend hat diese widerstandsfähige Rinderrasse geprägt, die ganzjährig auch bei Eis und Schnee im Freien lebt und dort keinen Stall kennt. Diese Tiere sind genügsam und anspruchslos und fressen vieles, was die empfindlicheren Pferde verschmähen. Darüber hinaus sind sie friedfertig und genetisch immer hornlos, so dass sie keine Verletzungen bei den Pferden verursachen können.
Galloways sind "pflegeleicht", ihre Haltung ist problemlos. Sie laufen zusammen im Herdenverband, d.h. Kühe, Ochsen, Jungrinder (Absetzer) und Kälber - und wenn man will, mit einem Bullen zusammen, der auch ganz handzahm gehalten werden kann. Die Rasse ist bekannt für ihre Leichtkalbigkeit. Die Milch der Mutterkühe ist ausschließlich für ihre eigenen Kälber, die im Alter von ca. 8 Monaten "abgesetzt" werden.
Es gibt einige veterinärrechtliche Vorschriften zu beachten, so auch die Meldung von Zu- und Abgängen an die zentrale Rinder-Datenbank. Für Blutuntersuchungen durch den Tierarzt kann eine Fanganlage sehr nützlich sein, wenn man nicht regelmäßigen Umgang mit den Tieren hat. Und die Weidefläche muss niedriger eingezäunt sein als bei Pferden. In der Regel genügt unten ein zusätzlicher E- oder Stacheldraht.
Ja, und dann gibt es da noch einen sehr nützlichen Nebeneffekt, der auch unter finanziellem Aspekt nicht uninteressant ist: Galloways sind Fleischrinder und das Produkt auf dem Teller wird von allen Gourmets auf der ganzen Welt hoch gelobt. Die Tiere, die nicht verkauft oder zur Zucht eingesetzt werden, kann man im Alter von ca. drei Jahren zu einem anerkannten Schlachtbetrieb bringen und dort in haushaltsgerechte Portionen zerlegen lassen. Oft teilt man sich einen Schlachtkörper mit zwei oder drei Familien oder verkauft die küchenfertigen Teilstücke als "Selbstvermarkter" im Freundes- und Bekanntenkreis. GIN-Mitglieder berichten übereinstimmend: Wer dieses Naturfleisch einmal gekauft hat, wird immer wieder danach verlangen. Und so baut man sich allmählich einen zufriedenen Kundenstamm auf.
Das Fazit lautet also:
Galloways zur Weidepflege auf die Pferdekoppeln !
Text: Sabine Reimers-Mortensen, Fritz W. Dirala (2004)